Wissenswertes

Der Hauptmann von Köpenick

„Ick hab mir de Uniform angezogen – und denn hab ick mir ’n Befehl je geben – und denn bin ick losjezogen und hab’n ausjeführt“

Friedrich Wilhelm Voigt, Hauptmann vom Köpenick

Vielen Menschen ist der Hauptmann von Köpenick nur als Protagonist des gleichnamigen Films bekannt. Eine Paraderolle sowohl für Heinz Rühmann (1956) als auch für Harald Juhnke (1997). Carl Zuckmayer setzte die Geschichte des Friedrich Wilhelm Voigt jedoch bereits 1931 literarisch um. Weniger bekannt ist, dass es sich sowohl bei der Person des Friedrich Wilhelm Voigt, als auch bei der bekannten Köpenickiade, um eine historische Person und ein reales Ereignis handelte.

Geboren wurde Friedrich Wilhelm Voigt am 13.02.1849 als Sohn eines Schuhmachers in Tilsit, wo er die dreiklassige Stadtschule besuchte. Bereits mit 14 Jahren geriet er wegen Hungers zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt und landete, wie in Folge noch öfter, im Gefängnis.
Zwischen 1864 und 1891 wurde er viermal wegen Diebstahls und zweimal wegen Urkundenfälschung verurteilt und verbrachte viele Jahre im Gefängnis. Zuletzt hatte er 1890 mit einer Brechstange versucht, die Gerichtskasse in der Provinz Posen zu berauben und erhielt dafür 15 Jahre Zuchthausstrafe. Nach seiner Entlassung 1906 zog der arbeitslose Schuhmacher nach Wismar und arbeitete dort bei der hiesigen Hofschuhmeisterei, bis er ein Aufenthaltsverbot für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin erhielt. Er zog weiter zu seiner älteren Schwester nach Rixdorf in Berlin, arbeitete dort und bekam auch für den Großraum Berlin ein Aufenthaltsverbot, an das er sich jedoch nicht hielt. Stattdessen zog er in eine unangemeldete Unterkunft. Seine Arbeitsstelle behielt er zunächst, hatte aber aufgrund seines illegalen Status kaum Aussicht auf dauerhafte Beschäftigung. Das Maß war voll …

Voigt erwarb bei verschiedenen Trödlern eine Uniform eines Hautmanns des preußischen 1. Garde-Regiments zu Fuß. In dieser Verkleidung hielt er am 16. Oktober 1906 im Westen Berlins zwei Trupps mit Gardesoldaten an, unterstellte zehn Mann unter Hinweis auf eine nicht existierende Kabinettorder „auf allerhöchsten Befehl“ seinem Kommando und marschierte dann zum Rathaus der damals noch selbstständigen Stadt Köpenick.

Mit seiner Truppe besetzte er das Gebäude, verhaftete „im Namen seiner Majestät“ den Oberstadtsekretär Rosenkranz und den Bürgermeister Georg Langerhans wegen angeblich „unregelmäßiger Abrechnung bei Kanalarbeiten“. Er wies den Kassenrendanten von Wiltburg an, einen Rechnungsabschluss zu machen und erklärte ihm, dass er den Bestand der Stadtkasse beschlagnahmen müsse. Der beschlagnahmte Barbestand belief sich auf 3557,45 Mark (wobei 1,67 Mark zum Sollbestand des Kassenbuches fehlten).

Eine vom Rendanten erbetene Quittung unterschrieb „der Hauptmann vom Köpenick“ mit dem Nachnamen seines letzten Gefängnisdirektors. Den Oberstadtsekretär und den Bürgermeister ließ er unter militärischer Bewachung zur Neuen Wache nach Berlin bringen, nachdem er ihnen zuvor das Ehrenwort abgenommen hatte, keinen Fluchtversuch zu unternehmen.

Nach Beendigung seiner Aktion gab der Hautmann von Köpenick seiner Truppe Befehl, das Rathaus noch eine halbe Stunde besetzt zu halten. Er selbst begab sich unter den Augen einer neugierigen Menschenmenge zurück zum Bahnhof, ließ sich dort „ein Helles“ kredenzen und beschaffte sich anschließend zivile Kleidung.

Zehn Tage später wurde er beim Frühstück verhaftet, nachdem ein ehemaliger Zellengenosse, der von seinen Plänen gewusst hatte, der Polizei in Erwartung der hohen Belohnung einen Tipp gegeben hat. Voigt wurde wegen „unbefugten Tragens einer Uniform, Vergehens gegen die öffentliche Ordnung, Freiheitsberaubung, Betruges und schwerer Urkundenfälschung“ zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Da ganz Deutschland über den Geniestreich lachte, forderte der Kaiser telegrafisch einen Bericht an. Bei dieser Lektüre soll auch er gelacht und gesagt haben: „Da kann man sehen, was Disziplin heißt.“ Er begnadigte den „Hauptmann von Köpenick“, so dass dieser vorzeitig bereits am 16. August 1908 aus der Haft entlassen wurde.

Am 1. Mai 1910 erhielt Voigt endlich einen luxemburgischen Ausweis und siedelte dorthin über. Dank seiner Popularität brachte er es zu einem gewissen Wohlstand und gehörte zu den ersten Besitzern eines Automobils im Großherzogtum, in dem er Ausflüge mit seiner Wirtin und deren Kindern unternahm. 1912 kaufte er dort ein Haus, wo er bis zum Tod im Jahre 1922 lebte.

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